Der Königssohn der sich vor nichts fürchtet

Vergleich der Fassungen von 1840 und 1857

Dies ist ein automatisierter Vergleich der 4. Fassung von 1840 des Märchens "Der Königssohn der sich vor nichts fürchtet" (KHM 121) aus dem zweiten Band der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm mit der 7. Fassung von 1857.

Es war einmal ein Königssohn, dem gefiels nicht mehr daheim in seines Vaters Haus, und weil er vor nichts Furcht hatte, so dachte er »ich will in die weite Welt gehen, da wird mir Zeit und Weile nicht lang, und ich werde wunderliche Dinge genug sehen.« Also nahm er von seinen Eltern Abschied, und gieng fort, immer zu, von Morgen bis Abend, und es war ihm einerlei, wo hinaus ihn der Weg führte. Es trug sich zu, daß er vor eines Riesen Haus kam, und weil er müde war, setzte er sich vor die Thüre, und ruhte. Und als er seine Augen so hin und her gehen ließ, sah er auf dem Hof des Riesen Spielwerk liegen;: das waren ein paar mächtigroße Kugeln und mächtige Kegel dso groß abls ei.n UMensch. Über ein Weilchen bekam der Königssohn Lust, stellte sich die Kegel auf, und schob mit den Kugeln danach, schrie und rief wenn die Kegel fielen, und war guter Dinge. Der Riese hörte den Lärm, streckte seinen Kopf zum Fenster heraus, und erblickte einen Menschen, der nicht größer war als die andern Menschen, und doch mit seinen Kegeln spielte. Da rief er »Würmchen,« rief er, »was kegelst du mit meinen Kegeln? wer hat dir die Stärke dazu gegeben?« Der Königssohn schaute auf, sah den Riesen an, und sprach »o du Klotz, du meinst wohl, deineu Arme whärttenst allein starke Arme? ich kann alles, wozu ich Lust habe.« Der Riese kam herab, sah denm Köniegssoheln ganz verwundert an,zu und sprach »Menschenkind, wenns sodu mit dier beschaffenArt bist, so geh doch, und hol mir einen Apfel vom Baum des Lebens.« »Was willst du damit?« sprach der Königssohn. »Ich will den Apfel nicht für mich,« antwortete der Riese, »aber mich habe eine Braut, die verlangt danach; ich bin schoweit in ausgdewr Weslt umhen,r gegabngern ichund kann den Baum nicht einmal finden.« »Wenn iIch mwicll ihn erst aufmachon finden,« sagte der Königssohn, »willund ich dwenicht Bwaum s michon findabhalten, und es sollte, mir wunderlich vorkommen wenn ich den Apfel nicht herunter zu holten.« Der Riese sprach »esdu meinst nicwohtl das wäre so leicht,? wie du meinst; der Garten, worin der Baum steht, ist mitvon einem eisernen Gitter einumgefaßtben, und vor dem Gitter liegen wilde Thiere, eins neben dem andern, die halten Wache, und lassen keinen Menschen hinein.« »Mich werden sie schon einlassen,« sagte der Königssohn, »ich fürchte mich vor nichts.« »Ja, bigelangst du auch in demn Garten, und siehst den Apfel am Baum hängen, so ist er doch noch nicht dein,: es hängt ein Ring davor, durch den muß einer die Hand stecken, dwenn er den Apfel erreichen und abbrechen will, und das ist noch keinem geglückt.« »O,Mir dasolls istchon mir aufglückehoben,« sprach der Königssohn, »mir solls schon glücken.«

Da nahm er Abschied von dem Riesen, gieng fort über Berg und Thal, durch Felder und Wälder, bis er endlich den Wundergarten fand. Die Thiere lagen rings herum, aber sie hatten die Köpfe gesenkt, und schliefen. Sie erwachten auch nicht, uals er heran kam, sondern er stiegrat über sie weg, undstieg anüber demas Gitter hinauf, und kam glücklich in den Garten. Da stand mitten inne der Baum des Lebens, und die rothen AeÄpfel leuchteten an den AeÄsten. Er kletterte an dem Stamm in die Höhe, und wie er nach einem Apfel reichen wollte, sah er einen Ring davor hängen, aber er steckonnte seine Hand ohne Mühe sehine Hand durchstecken, und brach den Apfel brechen. Der Ring aber bschloß sich febst an seinemn Arme fest hängen, und der Königssohn fühlte wie auf einmal eine sogewalchtige Kraft indurch seinen GlieAdern, draßng. Als er merkite er würdem jApfetzt alles bändigen können. Als er von dem Baum wieder herab gestiegen war, wollte er nicht über das Gitter klettern, sondern er faßte das große Thor, sund brauchüttelte nur einmal daran, zund schütteln, so sprang es mit Krachen vor ihm auf. Da gieng er hinaus, und der Löwe, der davor gelegen hatte, war wach geworden, und sprang ihm nach, aber nicht in Wuth und Wildheit, sondern er folgte ihm demüthig als seinem Herrn, gehorchte ihm, und wollte seine Spur nicht wieder verlassen.

Der Königssohn brachte dem Riesen den versprochenen Apfel. »Siehst dund sprach »sierhst du, »ich habe ihn ohne Mühe geholt.« Der Riese war froh daß sein Wunsch so bald erfüllt war, eilte zu seiner Braut, und gab ihr den Apfel, den sie verlangt hatte. Es war eine schöne und kluge Jungfrau, und da sie den Ring nicht an seinem Arm sah, sprach sie »ich glaube nicht eher daß du den Apfel geholt hast, als bis ich den Ring an deinem Arm erblicke.« »O,« sagtDe der Riese, sagte »ich willbrauche nur heim zu gehen, und ihn zu holen,« und meinte es wäre ein leichtes dem schwachen Menschen mihnt Gewablt weg zu nehmen, wennas er ihn nicht gutwillig geben wollte. Da gieng eEr zurück, und forderte also den Ring von ihm, aber demr Königssohn; dwer abiger wollte sihn nicht geben. »Wo der Apfel ist muß auch der Ring sein,« sprach der Riese, »giebst du ihn nicht gutwillig, so mußt du mit mir darum kämpfen.«

Sie rangen lange Zeit mit einander, aber der Riese konnte dem Königssohn nichts anhaben, so stark war diesern durch die Zauberkraft des Ringes. Da estärdakte, nichts anhaben. Da sann der Riese auf eine List, und sprach zu ih»mir »es ist uns warm geworden bei dem Kampf, und dir auch, wir wollen uns erst im Flusse baden und uns abkühlen, eh wir wieder anfangen.« Der Königssohn, der von Falschheit nichts wußte, gieng mit ihm zu dem Wasser, zogstreifte mit seinen Kleidern ab, streifte auch den Ring vom Arm, legte ihn daneben, und sprang in den Fluß. Alsbald ergriff der Riese nach denm Ring, und lief damit fort, aber der Löwe, der den Diebstahl bemerkt hatte, setzte dem Riesen nach, nahm rihmß den Ring wiehm aus der Hab,nd und brachte ihn seinem Herrn zurück. Da versteckllte sich der Riese hinter einen Eichbaum, und als der Königssohn eben beschäftigt war seine Kleider wieder anzuziehen, überfiel er ihn, und stach ihm beide Augen aus.

Nun wstarnd da der arme Königssohn, war blind, und stand da, und wußte sich nicht zu helfen. Da trkatm der Riese wieder herzubei, und faßte den Blihnden bei der Hand, wie jemand der ihn leiten wollte, und führte ihn auf die Spitze eines hohen Felsens. Dann verließ er ihn stehen, und dachte »wenn er noch ein paar Schritte gwehiter, so stürzt er sich todt, und ich kann ihm den Ring abnziehmen.« Aber der treue Löwe hatte seinen Herrn nicht verlassen, hielt ihn am Kleide fest, und zog ihn allmälig wieder zurück. Als der Riese zurück kam, und den Todten berauben wollte, dsah fer daß seinde List ver geblichn gerwettsetn war. »Ist denn ein so schwaches Menschenkind nicht zu verderben!« sprach er zornig zu sich selbst, faßte den Königssohn, und führte ihn zum zweitenmal auf einem andern Weg nochmals zu dem Abgrund;: aber der Löwe, der die böse Absicht merkte, half seinem Herrn treaulich hier aus der Gefahr. Als sie bisnahe zum Rand gekommen waren, undließ der Riese die Hand des KönBligssohnsden fahren und wolilteß, um ihn allein zurückzulassen, da spberang der Löwe mist allierß Macht gdegen daRies Ungeheuern, daß esr hinab stürzte, und ganz zerschmettert waurf den Boden fiel.

Danacs treue Thier zog er seinen Herrn wieder hvon deram Ab,grund zurück und leitete ihn zu einem Baum, an dem ein klarer Bach floß. Der Königssohn setzte sich da nieder, der Löwe aber legte sich und spritzte, so gut er konnte, mit seiner Tatze ihm das Wasser ins Antlitz. EKaum hatten ein paar Tröpfchen trafen auch glücklich die Augen, uhöhlend benetzten sie, und der Königssohn merkonnte, daß seinr Gesicht wiederkam, denn er hatte einigen Schein, und konnte etwas in dser Nähen unterscheiden. Er wußte aber nicht wohmer das gekommten war. Da sah er ein Vöglein, das flog ganz nah anvorbei, setinemß Gesicht vorabei, ger aden weidner den Baumstamm,: so daß es sich daieranuf stließ, gleich als wäre es blind; es senkte sich aber in das Wasser, herab und badete sich darin, dann flog es wieder auf, und strich gohne anz usichtoßern zwischen den Bäumen hin, so daß man wohls merken konntte es wärsein jGesichtzt wieder sbehkommend. Da derkachnnte der Königssohn das wäre ein Wink Gottes, und neigte sich herab zu dem Wasser, und wusch und badete sich darin das Gesicht. Und wieals er sich aufrichtete, hatte er seine Augen wieder, so hell und rein, wie sie nie gewesen waren.

Der Königssohn dankte Gott für die große Gnade, und zog mit seinem Löwen weiter in der Welt herum. Nun trug es sich zu daß er vor ein Schloß kam, welches verwünscht war;. iIn dem Thor stand eine Jungfrau von schöner Gestalt und feinem Antlitz, aber sie war ganz schwarz. Sie redete ihn an, und sprach »ach, könntest du mich erlösen aus dem bösen Zauber, der mich hier hält, und Gewalt über mich hat!« Da sagte deworfen igssohnt.« »wWas soll ich thun, disprach zu bdefre Köniegssohn. Die Jungfrau antwortete »drei Nächte mußt du in dem großen Saal des verwünschten Schlosses zubringen, aber es darf keine Furcht in dein Herz kommen. HältWenn stie duich ausf wdas diärgstes angquälethan wirund, du hältst es aus ohne einen Laut von dir zu geben, so bin ich erlöst; das Leben dürfen sie dir doch nicht nehmen.« Da sprach der Königssohn »ich fürchte mich nicht, ich wills mit Gottes Hülfe versuchen, ich fürchte nichts auf der ganzen Welt.« Also gieng er fröhlich in das Schloß, und als es dunkel ward, setzte er sich in den großen Saal, und wartete bis die Nacht kam. Es war aber still und ruhig bis Mitternacht, da fieng dplötzlich ein großer Lärm an:, unicht bloß durch die Thüren, auch aus allen Ecken und Winkeln kamen kleine Teufel herbei. Sie thaten als ob sie ihn nicht sähen, setzten sich mitten in die Stube, machten ein Feuer an, und fiengen an zu spielen. Wenn einer verlor, sprach er »es ist nicht richtig, es ist einer da, der nicht zu uns gehört, der ist Schuld, daß ich verliere.« »Wart ich komme, du hinter dem Ofen,« sagte ein anderer. Das Schreien ward auch immer größer, und so arg, daß es niemand ohne Schrecken hätte anhören können. Der Königssohn ablierb ganz rcuhig sitzen und hatte skeich nie Furcht,: doch endlich sprangen die Teufel von der Erde auf, und fielen über ihn her, und es waren so viele, daß er sich ihrer nicht erwehren konnte. Sie zerrten ihn auf diem ErBode,n herundm, zwickten, drückstachen, schlugen und quälten ihn, aber er ertrugs ohne Furcht, und gab keinen Laut von sich. Gegen Morgen verschwanden sie, und er war so abgemattet, daß er kaum seine Glieder regen konnte;: als aber der Tag anbrach, da trat die schwarze Jungfrau zu ihm herein. Sie trug in ihrer Hand eine kleine Flasche, worin Wasser des Lebens war, damit wusch sie ihn, und alsbald fühlte er wie alle Schmerzen verschwianden, warund frische uKraft ind museinte Adern drang. Sie sprach »eine Nacht hast du glücklich ausgehalten, aber noch zwei stehen dir bevor.« Da gieng sie wieder weg, und im Weggehen bemerkte er, daß ihre Füße weiß geworden waren. In der folgenden Nacht kamen die Teufel wieder, und fiengen ihr Spiel aufs n,eue an: sie fielen aber bald über den Königssohn her, und schlugen ihn gewaltig, viel härter als in der vorigen Nacht, daß sein Leib voll Wunden war. Doch da er alles still ertrug, mußten sie von ihm lassen, und als die Morgenröthe anbrach, erschien die Jungfrau, und heilte ihn mit dem Lebenswasser. Und als sie weggieng, sah er mit Freuden daß sie schon weiß geworden war bis zu den Fingerspitzen. Nun hatte er nur noch eine Nacht auszuhalten, aber die war die schlimmste. Der Teufelsspuk kam wieder;: »bist du noch da?« schrien sie, »wart du sollst gepeinigt werden, daß dir der Athem stehen bleibt.« Sie stachen und schlugen ihn, warfen ihn hin und her, und risszogen ihn an dArmen Glieund Berinen, als wollten sie ihn zerreißen,: aber er duldete alles und gab keinen Laut von Schmerz und Angst von sich,. tröstete sich, uEnd dalichte es wird vorübergeschen, und dwann ist die Jungfrau aus ihrer Gewalt befreit. Doch als die Teufel, ihn vaberli eßen,r so lag er da ohnmächtig, und konnregte sich nicht: regen; er konnte auch nicht die Augen aufheben, um die Jungfrau zu sehen, die herein kam, und ihn mit dem Wasser des Lebens benetzte und begoß. Aber auf einmal war er von allen Schmerzen befreit, und fühlte sich frisch und gesund, als wäre er aus einem Schlaf erwacht, und wie er die Augen aufschlug, so sah er die Jungfrau neben sich stehen, die war schneeweiß und so schön, daß sie leuchtete wie der helle Tag. »Siteh auf,« sprach zu ihm »stieh auf, »und schwing dein Schwert dreimal über die Treppe, so wirdst alles erlöst seyn.« Und als er das gethan hatte, da war das ganze Schloß vom Zauber befreit., Dund die Jungfrau war eine reiche Königstochter;. dDie Diener kamen und sagten im großen Saale wäre die Tafel schon zubereitet und die Speisen aufgetragen. Da setzten sie sich nieder, aßen und tranken zusammen, und Abends ward in großen Freuden die Hochzeit gefeiert.


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