Die treuen Thiere

Vergleich der Fassungen von 1819 und 1850

Dies ist ein automatisierter Vergleich der 2. Fassung von 1819 des Märchens "Die treuen Thiere" (KHM 104a) aus dem zweiten Band der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm mit der 6. Fassung von 1850.

Es war einmal ein Mann, der hatte gar nicht viel Geld, und mit dem wenigen, dwas ihm übrig geblieben war, zog er in die weite Welt. Da kam er in ein Dorf, wo die Jungen zusammen liefen, schrien und lärmten. »Was habt ihr vor, ihr Jungen?« fragte der Mann. »Ei,« antworteten sie, »da haben wir eine Maus, die muß uns tanzen, seht einmal, was das für ein Spaß ist!, wie die herumtrippelt!« Den Mann aber dauerte das arme Thierchen und er sprach: »laßt die Maus laufen, ihr Jungen, ich will euch auch Geld geben.« Da gab er ihnen Geld, und sie ließen die Maus gehenlos, und das arme Thier lief, was sies konnte, in ein Loch hinein. Der Mann ging fort und kam in ein anderes Dorf, da hatten die Jungen einen Affen, der mußte tanzen und Purzelbäume machen, und sie lachten darüber und ließen dem Thier keine Ruh. Da gab ihnen der Mann auch Geld, damit sie den Affen los ließen. Darnach kam der Mann in ein drittes Dorf, da hatten die Jungen einen Bären uan der liKette, der mußten sich aufrecht setzen und tanzen, und wenn er dazu brummte, wars ihnen eben recht. Da kaufte ihn der Mann auch los, und der Bär war froh, daß er wieder auf seine vier Beine kam, und trabte fort.

Der Mann aber hatte nun sein Bbischen übriges Geld ausgegeben und hatte keinen rothen Heller mehr in der Tasche. Da sprach er zu sich selber: »der König hat so viel in seiner Schatzkammer, was er nicht braucht,: Hungers kannst du nicht sterben, du willst da etwas nehmen, und wenn du wieder zu Geld kommst, kannst dus ja wieder hinein legen.« Also machte er sich über die Schatzkammer, und nahm sich ein wenig davon, allein beim Herausschleichen ward er von den Leuten des Königs erwischt. Sie sagten, er wäre ein Dieb und führten ihn vor Gericht, und weil er Unrecht gethan hatte, ward er verurtheilt, daß er in einem Kasten sollte aufs Wasser gesetzt werden. Der Kastendeckel war voll Löcher,: damit Luft hinein konnte,: auch ward ihm ein Krug Wasser und ein Laib Brot mit hinein gegeben. Wie er nun so auf dem Wasser schwamm und recht in Angst war, hörte er was krabbeln am Schloß, nagen und schnauben,: auf einmal springt das Schloß selber auf, und der Deckel fährt in die Höhe, und stehen da Maus, Affe und Bär, die hattens gethan; weil er ihnen geholfen hatte, wollten sie ihm wieder helfen. Nun wußten sie aber nicht, was sie noch weiter thun sollten und rathschlagten mit einander,. iIndem kam ein weißer Stein aufin dem Wasser daher geschwrommenllt, der sah aus wie ein rundes Ei. Da sagte der Bär: »der kommt zu rechter Zeit, das ist ein Wunderstein,: wem der eigen ist, der kann sich wünschen, wozu er nur Lust hat.« Da fingholte der Mann den Stein herauf, und wie er ihn in der Hand hielt, wünschte er sich ein Schloß mit Garten und Marstall, und kaum hatte er den Wunsch ausgesagtprochen, so saß er in dem Schloß mit dem Garten und dem Marstall, und war alles so schön und prächtig, daß er sich nicht genug verwundern konnte.

Nach einer Zeit zogen Kaufleute des Wegs vorbei. »Seh einmal einer,« riefen sie, »was da für ein herrliches Schloß steht, und das letztemal, wie wir vorbei kamen, lag da noch schlechter Sand.« Weil sie nun neugierig waren, giengen sie hinein und erkundigten sich bei dem Mann, wie er alles so geschwind hätte bauen können. Da sprach er: »das hab ich nicht gethan, sondern mein Wunderstein.« »Was ist das für ein Stein?« fragten sie. Da gieng er hin, und holte ihn herbei und zeigte ihn den Kaufleuten. DSie hatten große Lust dazu und fragten, ob er nicht zu erhandeln wäre, auch boten sie ihm alle ihre schönen Waaren dafür. Dem Manne stachen die Waaren in die Augen, und weil das Herz unbeständig ist und sich nach neuen Dingen sehnt, so ließ er sich bethören, und meinte, die schönen Waaren swäreyen mehr werth, als sein Wunderstein und gab ihn hin. Kaum aber hatte er ihn aus den Händen gegeben, da war auch alles Glück dahin, und er saß auf einmal wieder in dem verschlossenenm Kasten auf dem Fluß mund hatte nichts als einemn Krug Wasser und einemn Laib Brot. Die treuen Thiere, Maus, Affe und Bär, wie sie sein Unglück sahen, kamen wieder herbei und wollten ihm helfen, aber sie konnten nicht einmal das Schloß aufsprengen, weils viel fester war, als das erstemal. Da sprach der Bär: »wir müssen den Wunderstein wieder schaffen, oder es ist alles umsonst.« Weil nun die Kaufleute in dem Schloß gebliebenoch waren und da wohnten, so giengen die Thiere mit einander da hin, und wie sie nahe dabei kamen, sagte der Bär: »Maus, gehuck heinmal und guck durchs Schlüsselloch und sieh, was anzufangen ist,; du bist klein, dich merkt kein Mensch.« Die Maus war willig, kam aber wieder und sagte: »es geht nicht, ich habe hinein geguckt, der Stein hängt unter dem Spiegel an einem rothen Bändchen, und hüben und drüben sitzen ein paar große Katzen mit feurigen Augen, die sollen ihn bewachen.« Da sagten die andern: »geh nur wieder hinein und warte bis der Herr im Bett liegt und schläft, dann schleich dich durch ein Loch hinein und kriech aufs Bett und zwick ihn an der Nase und beiß ihm seine Haare ab.« Die Maus gingkroch wieder hinein, und that wie die andern gesagt hatten,. und dDer Herr wachte auf, rieb sich die Nase, war ärgerlich und sprach: »die Katzen taugen nichts, sie lassen mir die Mäuse herein, die mir die Haare vom Kopf abbeißen,« und jagte sie alle beide fort. Da hatte die Maus gewonnen Spiel.

Wie nun der Herr die andere Nacht wieder eingeschlafen war, machte sich die Maus hinein, knuperte und nagte an dem rothen Band, woran der Stein hieng, so lang,e bis es entzwei war und der Stein herunter fiel,: dann schleifte sie’s ihn bis zu der Hausthür. Das ward aber der armen kleinen Maus recht sauer, und sie sprach zum Affen, der schon auf der Lauer stand: »nzimmeh du ihnun mit deiner Pfote und hvollends ganz heraus!.« Das war dem Affen ein Leichtes, der trugnahm den Stein in die Hand, und sie giengen so mit einander bis zum Fluß;. dDa sagte der Affe: »wie sollen wir aber nun zu dem Kasten kommen?« Der Bär sagntworte:te »das ist bald geschehen, ich gehe ins Wasser und schwimme,: Affe, setz du dich auf meinen Rücken, halt dich aber mit deinen Händen fest und nimm den Stein ins Maul;: Mäuschen, du kannst dich in mein rechtes Ohr setzen.« Also thaten sie und schwammen den Fluß hinab. Nach einiger Zeit war’giengs dem Bären sozu still her, er fieng an zu schwaätzen und sagte [1]: »hör, Affe, wir sind doch brave CKameraden, was meinst du?« Der Affe aber antwortete nicht und schwieg still. »EIst das Mani!er?« sagte der Bär, »willst du mdeinem Kameraden keine Antwort geben? das ist ein schlechter Kerl, der nicht antwortet!« WiDa konnte sich der Affe das nichört, thut länger das Mazul rückhauflten, er läießt den Stein ins Wasser fallen und sagt:rief »dummer Kerl, wiche konnt ja nicht antworten, mich hatte denm Stein im Mund, dir antworten? jetzt ist er fverlorten, und daran bist du allein Schuld.« »SeyZank nur ruhnigcht,« sagte der Bär, »wir wollen schon etwas erdenken.« Da berathschlagten sie sich und riefen die Laubfrösche, Unken und alles UngGezthiefer, das im Wasser lebt, zusammen und sagten: »es kommtwird ein gewaltiger Feind über euch kommen, macht, daß ihr viele Steine zusammen schafft, so viel ihr könnt, so wollen wir euch eine Mauer bauen, undie euch schützent.« Da erschraken die Thiere und brachten Steine von allen Seiten herbeigeschleppt, endlich kam auch ein alter, dicker Quackfrosch recht aus dem Grund herauf gerudert und hatte das rothe Band mit dem Wunderstein im Mund. Wie der Bär dDas sah, war er vergnügt: »da haben wir, was wir wfrollenh,« nahm dem Frosch seine Last ab, sagte dens Thieren, alles gut, siey skönnten wieder nachon gHautse gehen, und machte einen kurzen Abschied. Darauf fuhren die drei den Fluß hinab zu dem Mann im Kasten, sprengten den Deckel mit Hülfe des Steins, und kwamren noch zu rechter Zeit gekommen, denn er hatte das Brot schon aufgezehrt und das Wasser getrunken, und war schon halb verschmachtet. Wie er aber den SWunderstein wieder in die Hände bekam, da wünschte er sich wieder frisch unde gute Gesundheit und versetzte sich in sein schönes Schloß mit dem Garten und Marstall; unda lebte er vergnügt, und die drei Thiere blieben bei ihm und hattens gut ihr lLebelang.


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