Die sechs Diener

Vergleich der Fassungen von 1815 und 1840

Dies ist ein automatisierter Vergleich der 1. Fassung von 1815 des Märchens "Die sechs Diener" (KHM 134) aus dem ersten Band der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm mit der 4. Fassung von 1840.

EVor Zeiten lebte eine alte Königin, die war eine Zauberin, und ihattre diTochter waller das schönste ToMädchtern unter der Sonne. Sie dachte aber nur darauf, wie sie die Menschen abins Verderben locken könnte, und wenn ein Freier kam, so gsprabch sie wer ihre Tochter haben wollte, müsse einen Bund (etwine Aufgabe)span> zu lösen aufoder sterben. Viele, uvon der koSchönnheit der Jungfrau verblendet, wagten es wohl, aber sie konnten nicht herausvollbringen, waso die Alte ihnen auflegte, und dann war keine Gnade, sier mußten niederknien, und das Haupt ward ihmnen abgeschlagen. Nun geschah es, daß ein Königssohn aumch sievon wderb großen wollSchönheit de,r Jungfrabeu hörte, und zu seinem Vater sprach »ließber Vatesr, nlaßt micht hinzuiehen, ich will undm spie werach:ben.« »Nimmermehr,« antworteite der König, »gehst du hinfort, so kommgehst du nichtn wiederinen zurückTod.« Da legte sich der PriSohnz sich nieder, und ward sterbenskrank, und lag sieben Jahre lang;, wund keiln Arzt konunte ihm helfen. Als der Vater nun sah, daß er doch verloren wäre, sprach er: voll Herzenstraurigkeit zu ihm »ziehe hin, und vielleirsuchte bdeistn du gGlückl, ich Alweiß dir sbaonst nicht zu heldfen.« warWie der gesuSohn das hörte, stand er auf von seinem Lager, war gesund, und machte sich fröhlich auf den Weg.

Es Ntrung msich zußte, als er auch durch ein Holz, dazu reiten skahm, daß er von weintenm Metwanns großes auf der Erde liegen sah, und wie er wasich näherte, gkonntewal er unterscheigden dick es der Bauch eindes oMenschen war, der sich dahin gestlireckt hatte; der Bauch aber sah aus, wie ein kleiner Berg;. dDer MaDicke, wie er den Reisenden erblicktef, richtete sich in die Höhe, und sprabch »wenn ihr jeman und fbraguchte, sob nerhmt mich in wollte zumre Dienster haben? Der PrKönigssohnz sprach:ntwortete »was soll ich mit einem so dicken Mann anfangen; wie»O,« bistprach du nuer so dDick geworden?«, »O das wistll noch gar nichts sagen, wenn ich mich recht aus einander thue, bin ich noch dreitausendmal so dick!.« Wenn das ist,« sagte der Königssohn, »Dso kann ich dich brauchen, komm mit mir,.« sDa gtieng der PrDinz.cke Dhinter zwdeim ginigessohn wheiter, und über eine Weile fanden sie einen andern, der lag da auf der Erde, und hatte das Ohr auf den Rasen gelegt. Fragte der Königssohn »Wwas machst du da?« sp»Ich horache,« antwortete der PriManzn.« »Ei! iWonach horche,st dennu ich kann daso Graufmerks wam?« »Ichsen höorchen, und allch des,m was sich in der Welt sich eben zuträgt, undenn daich hörume walles, so gar das Gras höre ich dwachsern.« HoFrchagte der Königessohnannt.« »Ssage mir, was geschiehörst ebendu anm Hofe der alten Königin, Hwelche die schöne Tof?chter hat.« Da antwortete er »Eich höre das Schwiert sausen, das einem Freier dern Kopf abgeschlaägt. Den,r Königssohn sprach »ichör’ dkasnn Sdichwert sbrauschen, – »Kkomm mit mir,.« sprDach dzogern Prsinze weiter, und siahen zogeinmal zu dreien wpaar Füße da liter.gen Dund auch fetwas von den siBe einen, daber lag das uEnde warkonnten gasie nzicht laseheng,. Also daß sie eine gute Strecke fortgehgangen mußtwaren, biskamen sie vonzu sdem Leib unend Füßen bdlisch auch zu dem Kopf. k»Ei,« spramch der Kön.igssohn, »Wwarums bist du sofür ein langer fStrick!« »O,« agntwortete der PriLanz.ge, »O,das isagte enoch gar nichts, wenn ich mich erst recht ausstrecke, so bin ich noch dreitausendmal so lang, und größer, als der höchste Berg auf Erden. Ich will euch gerne dienen, wenn ihr mich wollt.« »Komm mit mir,« sprach der PrKönigssohnz., Da g»ich kangen dich brauchen.« vSier zogen weiter, und fanden einen am Weg sitzen, der shaßtte da mit verb Aundgenen Azugebunden. DeSprach Pder Königssohn zu fragte:ihm »warbist dum blind? oder hast du blödei Augen, Tdaß du nicht vorin das Licht sehen Augekannst?« »ENein,« spantwortete der Mann, »ich edarf die Binde nicht abnehmen, denn was ich mit meinen Augen ansehe, das springt vonalsbald aus einander, dasolch eine grumoße dGewarflt lichegt sien meinem Blick. Kann euch das nützen, soff will ich euch gern lassdienen»Komm mit mirsagntwortete der PrKönigssohnz., D»ich kann gdingch brauchen dSie zogenf weiter, und fanden einen Mann, der lag mitten im heißen Sonnenschein, und fror und zitterte, und fror am ganzen Leibe, so daß ihm kein Glied still stand. D»Wier Prinz frkagnnste: »wiedu frieren?« stprach duer Königssohn, »dime Sonnen schein?t ja warm genug.« »Ach,« sprachntwortete der Mann, »meine Natur ist ganz anderer Art,« je heißer es ist, desto mehr frier ich, und der Frost dringt mir dann durch alle Knochen, und je kälter es ist, desto heißer wird mir, und mitten im Eis kann ichs vor Hitze, und mitten im Feuer vor Kälte nicht aushalten.« »KommDu mbist mein wunderlicher Kerl,« sprach der PrKönigssohnz, d»aber gingwenn du mir dienen willst, so komm mit.« Nun zogechn sie weiter, und fsandhen einen Mann stehen, der smachte einen landgen dHals, und schaute sich um, und sichaute über alle Berge hinausf. Sprach der Königssohn »Wwornach siehst du fragteso deifr Prinz.g?« Da sprachntwortete der: Mann »ich habe so helle Augen, daß ich damit weit über Ballerg Wälder und WFelder, Thäler und Berge hinaus und durch die ganze Welt hinaussehen kann.« »Der Königssohn sprach »willst du, so komm mit mir,« sagte der Prinz,n »so einer fehlte mir noch.«

»Nun zog der Königssohn dmit seinen sechs Diebnern in die Stadt ein, wo die schönalte und igefährliche Jungfrau lebte;, detr Prinz abert ging vor dsie, alte Königin und sprach, »so ihr mir eure schöne Tochter geben wollt, umwill ich vollbringen, Tocwas ihter wauferblengt.« »Ja,« sagntwortete sdie Zauberin, »dreimal will ich dir einen Bund aufgeben, lösest du deihn jedesmal, so isollst diu der PHerir unzd Gessinmahl dmein;er dTochter werstde Bund Sprabch er »was wollt ihr mir zuerst, daufgeben.« »Daß du mir einen Ring wieder bringst, den ich ins rothe Meer habe fallen lassen.« Da gierng Pder Königssohn heim zu sagte:inen Dienern, und sprach »denr erste Bund willst nicht lösenicht,« ueind rRiefng soll aus deim rothen Meer geholt werden, nun schafft Rath.« Dia sprach dener mit den hellen Augen, u»ich will sehend dwo er liegt,« und schaute in das Meer bhis auf den Grundab, und sahgte »denort Rlinegt daer, neben einem Steine »Ich wollte ihn wohl hegrausholen. Dsprach dern Lange, »wenn ich ihn nur sehen könnte.« »Dam will ich dir helfen« rief der Dicke, legte sich nieder, sund hieltzte seinen Mund ains MWasseer, und ließ die Wellen hinein laufen, und trank edas ganze Meer aus, daß es trocken ward wie eine Wiese;. daNun bückte sich der Lange nur ein wenig, und holte den Ring mit der einen Hand heraus. Dea war Pder Königssohnz froh, und brachte ihn der Alten,. dSie sah den Ring an, und sprach mit Verwunderung: »Jja, daes ist der rechte Ring; dein ersten Bund hast du glücklich gelöst, aber nun kommt der zweite. Siehst du dort auf der Wiese vor meinem Schloßsse, da weiden dreihundert fette Ochsen, die mußt du mit Haut und Haar, Knochen und Hörnern verzehren, und darfst nicht mehr als einen einzigen Gast dazu einladen, und unten im Keller, da liegen dreihundert Fässer Wein, die mußt du dabeizu austrinken, und bleibt von dein SpürOchsen ein Haar, und von dem Wein ein Tröpfchen übrig, so ist mir dein Leben verfallen.« DSprach der PKönigssohn »darf ich mir keine Gäste dazu laden? ohne Gesprellschaft sch:meckt »Dkeine Mashlzeit.« wDie Alte lachte icn Bosheit, vund antwortete »einen darfst du dir dazu laden, damit du Gesellschaft hast, aber weiter keinen.«

Da gieng der Königssohn zu seinen Dienern,« und setprach zteu denm Dicken a»du sollst sheute meinen Gast zsein, und dich einmal satt essen.« Da that sich, der Dicke von einander, und aß die dreihundert Ochsen auf, und blieb kein Haar übrig blieb, und tfragte ob weiter nichts als das Frühstück da wäre; den Wein dazuber trank er gleich aus den Fässern selber, ohne daß er ein Glas nöthig hatte, und trank den letzten Tropfen vom Nagel herunter. Als die Mahltzeit Zazub Ende war, gieng daer Königssohn zur Alten, und sagte ih,r der zweite Bund wäre gelösta. Sie verwunderte siech, und sprach zum Prinzen: »so weit wie du hats Knoch keiner gebracht;, aber es ist noch der dritten Bund übrig,« und dachte, »du sollst mir nicht wientgehen, und sollst deichnen sKopf nicht oben berückhalten: »Heut Abend sprach sie, »bring ich dmeine JungfTochtera zu, dir aufin deine Kammer und in deinen Arm, da sollt ihr beisammen sitzen, aber hüte dich vor’mdaß Edu nicht einschlaäfenst; ich komme Schlag zwölf Uhr, und ist sie dann nicht mehr in deinen Armen, so hast du verloren.« Der»O,« Prinz dachte, daser Königst so schwn, »der Bund ist leicht, ich will wohl meine Augen offenicht zutbehualten; doch Vorief er seicne Diener, erzählte ihnen wast dimmer Alte guesagt hatte, und spralch »wer weiß, was für eine List dahinter steckt, Vorsichöt ist gut, haltet Wache, und sorgt daß die Jungfrau Abenicht wiedser zaus meihner Kammer gkommt.« Als es nun Nachrt waurde, da brachiteß dier aAllte seinhre DiTochtener, und füherte sie inko die Armme des Königssohns, und deranach Lschlange mußte sich der Lange um sie hberumschlide ing einen Kreiß, und der Dicke stellte sich vor die Thüre, steallen,so daß keine lebendige Seele herein konnte. Da saßen sie beide, und die schöne Jungfrau sprach kein Wort, aber der Mond schien durchs Fenster auf ihr Angesicht, daß er ihre wunderbare Schönheit sehen konnte. SieEr wthat nichts als sien aunschauen, und war voll Freude mund Litebe, und seinae Augen wurden nicht müde; das dauerte bis elf Uhr, da lfießl, durch die ZaubKünste deri Alten, einen SchlZaummber auf ihrüber Augen fallen, den sie sichs nicht aberwehren konnten. Sieund einschliefen, und in dem Augenblick war auch die Jungfrau entrückt.

Nun schlliefen sie hart bis ein Viertel vor zwölf, unda war der Zauber kraftlos, und sie erwachten, alle wieder. »O Jammer und Unglück,« rief Pderinzeigssiohn, fort »nund vobin dich ver Altoren entrückt. Dier Ptrinz euend dDiener Dfiengern jammuch an zu klagerten, aber der Horcher sprach: »seyid einmal still!, ich will horchen,« da horchte er einen Augenblick, und dann spragtch e:r »sie sitzt in einem Felsen dreihundert Stunden von hier, und klagt übejammert ihr Schicksal; Ddu kannst hier helfen, Langer, wenn du dich aufrichtest, so bist du mit ein praar Schritten dort.« »Ja,« antwortete der Lange:, »aber der mit den scharfen Augen muß mitgehen, damit willr hden Felsen wegschaffen.« undDa hauckte der Lange mit den mit verbundenen Augen auf, und im Augenblick, wie man deine Hand umwendet, stwandren sie vor dem verwünschten Felsen. DAlsbald nahm der Lange dem andern die Binde ab;von kaum hatte dern dAugen, Fdelr senich angeur umschaute, so zersprang der gFelseichn in tausend Stücke,. uDa ndahm der Lange holtdie Jungfrau auf dien PArm, trug sie inz essinem aNus zurück, und kam wieder, Tund holte auch noch seinefn Kameraden, und eh es zwölfe schwlug, saßeng siche malle witeder, wie vorher, iun d warei Min munter und zguterück Dinge. Im Schlag zwölf kamschlich die Aalte Zauberind glaherzub mite, deinem Prihöhnzischen ganz gGewsißcht, als wollte sie sagen »nund ist er mein Sund glaubte nichlt afnders, vals ihre Tochter säße dreihunkdert zStu finden, abwerit daim wFelsen. Als sie aber herbei kamunter, und ihre Tochter saß in sdeinem Arm. Nuen mußtde s Köniegssohns zwsah, erschrack stille, und sprachwe »da igst einer, der kabnn mehr als ich.« Aber sie wadurfte nichrts leinwenden, und mußte ihm die PriJungfrau zusagen. Doch sprach sine kihrä inktes Ohr »es ist eine Schaunde für dich, daß du sieo gemeinem Volk gehorchen sollste, gund dir ewoinen Gemahl nicht nach deinem Gefabllen, wählen darfst.«

Nun hatte die Jungfrau wirklich ein so stolzes Herz, daß sie darüber mit Zorn erfüllt wurde, und am andern Morgen ließ sie dreihundert Malter Holz zusammensfahretzen, und sprach zu dem PrKönigssohnzen, die drei hättBünde zwaär den Bund gelöst, abehr wenn sie ihn aber heirathe, verlange siollte, daßte Jjemand sich mitten in das Holz setze, wenn es angezündet wäre, und das Feuer aushalten. Dabei dachte sie, wenn die Diener ihm auch alles thäten, würde sich doch keiner für ihn verbrennen, und aus Liebe zu ihr würde er selber sich hinein setzen, und dann wäre sie frei. Wie aber die Diener das hörten, sprachen sie: »wir haben alle etwas gethan, nur der Frostige noch nicht, der muß auch daran,« und nahmen ihn, und trugen ihn ins Holz hinein, und stecktens darauf an. Da hub das Feuer an, und brannte drei Tage, bis alles Holz verzehrt war, und als es verlosch, stand der Frostige mitten in der Asche, und zitterte wie ein Espenlaub, und sprach: »so hab ich mein Lebtage nicht gefroren, und wenns länger gedauert hätte, wär ich im Frost erstarrt.«

Nun mußtwar keine Ausiflucht mehr zu finden, die schöne Jungfrau mußte mit dem PrKönigssohnzen sich vermählen,. aAls sie aber nach der Kirche fuhren, sprach die Alte: »ich kanns nimmermehr zugeben,« und schickte ihr Kriegsvolk nach, das sollte alles niedermachen, was ihm vorkäme, und ihr die Tochter zurückbringen. Der Horcher aber hatte die Ohren gespitzt, und alldies angheimlichört,en wasReden dier Alten angesprochenört, und sagte es dem Dicken, der wußte Rath, speite einmal oder zweimal aus hinter denm Wagen, und da entstand ein groß Wasser, worin diesem blieben die Kriegsvölker stecken blieben und ertranken. Als sie nicht zurück kamen, schickte die Alte ganz geharnischte Reuiter, aber der Horcher hörte sie kommen, und band dem einen die Augen auf, der guckte die Feinde ein bischen scharf an, unda sie sprangen sie aus einander wie Glas. DaNun fuhren sie ungestört weiter, und als sie inzu der Kirche verheirathet und eingesegnet waren, nahmen die sechs Diener ihren Abschied, und sprachen »wir wollten weiter ihunser Glück in der Welt versuchen.«

Eine halbe Stunde vor dem Schloß war ein Dorf, vor dem hütete ein Schweinehirt seine Heerde; wie sie dahin kamen, sprach der Prinz zu seiner Frau: »weißt du auch recht, wer ich bin? ich bin kein PKönigssohn, sondern ein Schweinehirt, und der mit der Heerde dort, das ist mein Vater, und nun müssen wir zwei auch daran, und ihm helfen hüten.« Dann stieg er mit ihr in ein Wirthshaus ab, und sagte heimlich zu den Wirthsleuten in der Nacht sollten sie ihr die königlichen Kleider wegnehmen. Wie sie nun am Morgen aufwachte, hatte sie nichts anzuthun, und die Wirthin gab ihr einen alten Rock, und ein Paar alte wollene Strümpfe, und that noch als wärs ein großes Geschenk, und sprach »wenn nicht euer Mann wäre, hätt ichs euch gar nicht gegeben.« Da glaubte sie er wäre wirklich ein Schweinehirt, und hütete mit ihm die Heerde, und dachte »ich habe es verdient mit meinem Uebermuth und Stolz.« Das dauerte acht Tage, da konnte sie es nicht mehr aushalten, denn die Füße waren ihr ganz wund geworden. Da kamen ein paar Leute, und fragten ob sie recht Hwüßte wer ihr Mann wäre. »Ja,« antwortete sie, »er ist ein Schweinehirt, und ist eben ausgegangen mit ein wenig Band zu handeln.« Sie sprachen aber »kommt einmal mit, wir wollen euch zu ihm hinführen,« und brachten sie ins Schloß hinauf; und wie sie in den Saal kam, stand da ihr Mann in königlichen Kleidern. Sie erkannte ihn aber nicht, bis er ihr um den Hals fiel, sie küßte, und sprach »ich habe so viel für dich gelitten, da hast du auch für mich leiden sollen.« Nun ward erst recht die Hochzeit gefeiert, und ders erzählt hat, wollte er wäre auch dabei gewesen.


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